Knappe Niederlage trotz toller Mannschaftsleistung in Anger (16:11)

Christoph Scherr (rot) gegen Erik Kamm (blaui) 66 kg gr.-röm.
Christoph Scherr (rot) gegen Erik Kamm (blaui) 66 kg gr.-röm.

Mit einer knappen 16:11-Niederlage muss sich der ASC Bindlach im Rückkampf dem SC Anger in der 2. Bundesliga Süd geschlagen geben. Klar favorisiert konnte der SC Anger, der in Bestbesetzung gegen den ASC antrat, mit dem Rückenwind zahlreicher Fans im eigenen „Hexenkessel“ eine starke Bindlacher Mannschaft schlagen. Mit dem Sieg rutschen die Oberbayern in der Tabelle einen Platz nach vorn auf den vierten Rang. Die Bindlacher bleiben immer noch ohne Sieg auf den Abstiegsrang.


Mit den Siegen von Janik Rausch, Vlad Boeriu, Marcel Fornoff und Bastian Hoffmann kamen die Bindlacher in die Nähe eines Sieges. Ganz knapp waren die Kämpfe von Erik und Niklas Kamm gegen Christoph Scherr bzw. Zsolt Dajka: beide Duelle hätten auch glücklich für die Oberfranken enden können. Mit 1:0-Mannschaftspunkten mussten sich die Brüder jedoch geschlagen geben. Das kleine Quäntchen Glück hat ihnen an diesem Abend einfach gefehlt.


ASC-Trainer Matthias Fornoff ist mit dem Ergebnis sehr zufrieden: „Ich muss meine Mannschaft loben: jeder Einzelne hat sein Bestes gegeben und das Bestmögliche gegen die starke Aufstellung der Angerer rausgeholt. Schade waren vor allem die Niederlagen von Erik und Niklas Kamm: beide Kämpfe verlaufen auf Messers Schneide und können genauso gut andersrum ausgehen! Trotzdem war das hier eine klasse Mannschaftsleistung, die zeigt, dass wir mit unseren eigenen Jungs in der Bundesliga eigentlich mitringen können und auch hier her gehören! Jetzt geht es nächste Woche um den Abstieg gegen Weitenau- Wieslet. Wir hoffen auf zahlreiche und lautstarke Unterstützung durch unsere Fans am Samstag in der Bärenhalle.“


Zum Auftakt des Kampfabends trat ASC’ler Janik Rausch gegen den Angerer Nachwuchssportler Andreas Bauer an. In einem offenen Duell kämpften beide junge Athleten sehr offensiv. Mit einer blitzsauberen Schleuder kann Rausch seine Erfahrung jedoch nutzen und den Angerer auf beide Schultern befördern. Damit wanderten die ersten vier Punkte auf das Bindlacher Punktekonto.


Im Schwergewichtsduell traf ASC-Routinier Jeremiah Scott auf den Ungarn Armin Majoros. Der körperlich massive Majoros konnte den Bindlacher mit seinen Fassarten binden und so stets kontrollieren. Aus dem Aufziehkampf konnte der Ungar immer wieder punkten und brachte Scott deutlich in Rückstand. Scott suchte zwar den offenen und freien Ringkampf, fand aber einfach keine Mittel gegen den versiert und physisch starken Majoros und musste sich am Ende mit 10:1 geschlagen geben.


ASC-Nachwuchstalent Kevin Adler hatte einige Kilos abgekocht und erfüllte das 61kg-Gewichtslimit. Obwohl der Bindlacher deutlich Gewicht gemacht hatte, zeigt der jüngste Adler gegen den Ungarn Robert Molnar einen starken Kampf. Jeder Punkt wurde verbissen ausgekämpft und Adler zeigte bis zum Schluss großen Kampfgeist. Letztendlich fehlte es ihm wohl doch an Erfahrung und ein wenig mehr Physis um die technische Überlegenheit 15 Sekunden vor Schluss noch abzuwenden. Somit wanderten vier Mannschaftspunkte auf das Konto der Gastgeber.


Mittelgewichtsringer Niklas Kamm musste ins Halbschwergewicht aufrutschen und traf hier auf einen weiteren Ungarn, Zsolt Dajka. Trotz des deutlichen Gewichtsunterschieds von knapp 14 kg lieferten sich beide einen Kampf auf Augenhöhe. Immer wieder versuchte Kamm mit Dynamik und Schnelligkeit zu punkten. Nach einer starken Standbeinbelastung war Kamm drauf und dran den Punkt zu machen, Dajka konnte sich jedoch aus der misslichen Lage befreien und die Hektik der Situation zum eigenen Punktgewinn nutzen. Mit der 2:0-Führung im Rücken ließ Dajka den deutlich leichteren Kamm nicht mehr an sich rankommen und schaukelte das Ergebnis über die Zeit.


In der Leichtgewichtsbegegnung des klassischen Stils traf sein Bruder Erik Kamm auf einen alten Bekannten aus Anger, Christoph Scherr. Beide Athleten kennen sich gut, doch schon in einigen Duellen musste Kamm hauchdünn Niederlagen einstecken. So auch an diesem Abend: Kamm agierte stets offensiv und marschierte vorwärts. Nach einem versuchten Kopfzug, konnte Scherr den Bindlacher zwar abfangen, doch normalerweise wird hier „eigener Griff“ gepfiffen und Kampf geht im Stand ohne Punktvergabe weiter. Der Kampfrichter sah dies jedoch anders und vergab an Scherr zwei Punkte für einen „Take-Down“. Kamm ließ sich nicht irritieren und machte weiter Druck, erzielte so auch einen Punkt am Mattenrand zum 2:1. Erst sieben Sekunden vor Schluss entschied der Kampfrichter auf Passivität des Angerers und Kamm bekam noch eine klitzekleine Chance im Boden zu punkten. Die wenigen Sekunden reichten jedoch leider nicht aus. Trainer Fornoff attestiert dem Bindlacher einen „guten, sehr offensiven Kampf, den er öfters so von seinem Schützling sehen möchte.“


Zu einer Neu-Auflage des Hinrunden-Duells kam es im Freistil-Mittelgewicht zwischen dem Bindlacher Vlad Boeriu und dem Ungarn Sandor Tözser. In der ersten Runde konnte Tözser aktiver agieren und Boeriu gab nach angeordneter Aktivitätszeit aufgrund von Passivität einen Punkt an den Angerer ab. Weiter in den Rückstand geriet der Bindlacher nach einem blitzschnellen Beinangriff des Ungarn. In der zweiten Runde konnte Boeriu einen tiefen Beinangriff Tözsers spektakulär kontern. Aus dem Stand zog der Bindlacher einen blitzsauberen Spaltgriff, der mit vier Punkten belohnt wurde. Hierbei verletzte sich jedoch der Angerer an der Schulter und musste den Kampf vorzeitig abbrechen. Wir wünschen dem Athleten aus Ungarn an dieser Stelle eine gute Besserung und schnelle Genesung! Der Aufgabesieg bescherte den Bindlachern vier Mannschaftspunkte zum Stand von 9:8.


Im zweiten Leichtgewichtsduell im freien Stil traf der Bindlacher Leistungsträger Bastian Hoffmann auf den Griechen Manrikos Theodoridis, der vom SC Unterföhring zu den Angerern gewechselt ist. Hoffmann, nach langer Verletzungspause wieder auf die Matte zurück, konnte gleich in den ersten Sekunden mit blitzschnellen Beinangriffen punkten und mit 4:0 in Führung gehen. In gewohnter Manier setzte der Bindlacher seinen Gegner weiter unter Druck und griff immer weiter an. Nachdem sich Theodoridis jedoch an den Ringstil des Bindlachers angepasst hatte, konnte er die Angriffe Hoffmanns zweimal kontern und zu einem Stand von 6:6 ausgleichen. In den letzten Sekunden vor Schluss schaffte es Hoffmann dann mit einem versierten Angriff dann doch noch die Führung zurückzuholen und ging hochverdient mit 6:8-Punkten als Sieger von der Matte. Ein Mannschaftspunkt ging somit an Bindlach zum Ausgleich von 9:9 und noch drei ausstehenden Kämpfen.


Im klassischen Mittelgewicht hatte ASC-Nachwuchsringer Roland Schwarz den Vorzug vor Niklas Kamm bekommen und traf hier auf den starken Angerer Bernhard Mayr. Schwarz kam mit dem Druck und der hitzigen Stimmung in der Halle nicht zurecht und zeigte im Kampf gegen Mayr Nerven. Nach einem wuchtigen und technisch-einwandfreien Schulterschwung konnte der Angerer mit 4:1 in Führung gehen. Nachdem der Bindlacher keine Mittel gegen die offensive Ringweise Mayrs fand, musste Schwarz wegen Passivität in die Bodenlage. Hier zeigte Mayr seine ganz Stärke und ließ dem jungen Bindlacher keine Chance: nach mehreren Durchdrehern musste Schwarz letztendlich die technische Überlegenheit seines Gegners anerkennen. Damit hatte Trainer Fornoff nicht gerechnet und vier Punkte gingen zur 13:9-Führung an die Gastgeber.


Vor den letzten beiden Duellen war klar, dass ein Sieg nur mit zwei Einzelsiegen der Bindlacher zu erreichen wäre. Hier gab es nur ein kleines Problem: den Angerer Ungarn Attila Drechsler. Im klassischen Weltergewichtsduell tat David Adler zwar alles um eine Niederlage zu verhindern, konnte gegen den physisch und vor allem konditionell hervorragenden Ungarn jedoch nichts ausrichten. Mit 9:0-Punkten war die Niederlage der Bindlacher nach dem Kampf besiegelt.


Im Freistil-Weltergewichtskampf ließ ASC-Routinier Marcel Fornoff keinen Zweifel an seiner Stärke in dieser Liga und bleibt auch nach dem neunten Saisonkampf ungeschlagen. Der Angerer Markus Fürmann lieferte sich einen guten Kampf mit dem Erstliga-erfahrenen Fornoff, der durchaus gefordert wurde. Am Ende konnte Fornoff taktisch klug mit 8:4 die Nase vorn behalten und zwei Bindlacher Punkte zum Endstand von 16:11 sichern.