ASC verliert gegen die favorisierten Burghausener mit 5:26 vor heimischer Kulisse

Jeremiah Scott gegen Eugen Ponomartschuk 130 kg gr.-röm.
Jeremiah Scott gegen Eugen Ponomartschuk 130 kg gr.-röm.

Am gestrigen Feiertag empfang der ASC Bindlach in der Bärenhalle den Tabellenführer SVW Burghausen. Wie im Vorfeld erwartet, kamen die Oberbayern mit einer straken Mannschaft angereist, der die Bindlacher einfach nicht gewachsen war. Mit 5:26 mussten die Gastgeber schließlich das Feld räumen.

Bemerkenswert war dennoch die Aufstellung aus Bindlach: Mit sechs Talenten aus dem eigenen Nachwuchs, Kevin und Philipp Adler, Christof Ramming, Nico Sendelbeck, Roland Schwarz und Erik Kamm, lediglich einem Ausländer, Vlad-Bogdan Boeriu, und drei weiteren „alteingesessenen“ Bindlacher Ringern, Janik Rausch, Marcel Fornoff und Jeremiah Scott, konnte ASC-Trainer Matthias Fornoff eine Seltenheit in der Bundesliga schaffen, wo hier doch sonst die Mannschaften oft durch zugekaufte Ausländer und Punkteringern aus anderen Vereinen geprägt sind.

Trainer Fornoff resümiert nach dem Kampf: „Burghausen hat alle seine Ausländer mitgebracht und noch dazu clever umgestellt, so dass wir wirklich chancenlos waren. Ich bin trotzdem besonders stolz auf den Kampfgeist meiner Jungs, vor allem auf den Nachwuchs aus der 2. Mannschaft, wie Nico Sendelbeck, der wirklich gut gerungen hat. Nach dem großen Verletzungspech dieses Jahr, müssen wir jetzt eben schauen, dass wir das Beste aus der verbliebenen Saison machen!“

Zum Auftakt hatte Janik Rausch mit Mikyay Naim, gleich einen starken Gegner. Der Freistiler aus Burghausen konnte Rausch immer wieder mit blitzschnellen Beinangriffen überraschen. Beim Auskämpfen einer der Beinangriffe kam Rausch in eine missliche Lage, die Naim zum Schultersieg nutzen konnte. Somit gingen die ersten vier Punkte auf das Konto der Gäste.

Im Schwergewichtskampf kam es zu purer Hochspannung in der Bärenhalle. Der Bindlacher Stammringer Jeremiah Scott startete mit einer überzeugenden Leistung in den Kampf gegen den zwar leichteren, aber dafür amtierenden Deutschen Meister Eugen Ponomartschuk. Nach einem Kopfstoß des Burghauseners kam es zum ersten Cut über dem Auge des Bindlachers und zur Verwarnung des Ponomartschuks. Mit einem Punkt Führung setzte Scott seinen Gegner weiter unter Druck und konnte ihn in die Bodenlage zwingen. Hier wurde eine Rolle des Bindlachers am Mattenrand vom Unparteiischen nicht mehr gewertet. Im weiteren Kampfverlauf verlor Scott immer mehr seinen Faden und ließ das Kampfgeschehen vom Burghausener bestimmen. Nach Passivitätsverwarnungen und fragwürdigen Entscheidungen des Kampfrichters zum Kampf am Mattenrand konnte Ponomartschuk zu 3:3 ausgleichen. Scott war nicht mehr in der Lage den quirligen Burghausener einen weiteren Punkt abzunehmen, so dass der Kampf letztendlich hauchdünn mit 3:3 Punkten an Burghausen ging, da Ponomartschuk weniger Verwarnungen innehatte.

Die Oberbayern haben ihren Stammringer Marco Lenz durch den Jugendlichen Dominik Ratz in der 61 kg-Klasse, nachdem sich die Verantwortlichen in Burghausen ausrechnen konnten, dass Bindlach nicht in der Lage sein würde hier einen Ringer mit Gewicht zu stellen. Da Christof Ramming mit Übergewicht antrat, gingen letztlich weitere vier Punkte an den SVW Burghausen.

Im Halbschwergewichtsduell sah derBindlacher-Neuzugang Vlad-Bogdan Boeriu kein Land gegen den starken Bulgaren Miroslav Geschev, momentan amtierender bulrgarischer Meister. Geschev konnte im Stand mit schnellen, technisch sauberen Beinangriffen Boeriu in den Bodenkampf bringen und hier mit Durchdrehern weiter punkten. Etwa 30 Sekunden vor dem Ablauf der regulären Kampfzeit war dann Schluss: bei einem Stand von 2:18-Punkten musste Boeriu die technische Überlegenheit seines Gegners anerkennen.

Kevin Adler gingen im Leichtgewichtslimit im freien Stil über die Waage. Trotz beherzter Ringweise, gelang es dem jungen Nachwuchssportler an diesem Tag nicht, den wendigen Martin Maier zu kontrollieren. Letztendlich stand es nach 6 Minuten 13:0 und drei Punkte gingen an die Oberbayern.

Nach der Halbzeit war der erste Lichtblick zu sehen. Bindlachs Nachwuchstalent Roland Schwarz traf im Mittelgewicht im klassischen Stil auf den langgewachsenen Maximilian Lukas. Mit einem dominanten Start gelang es Schwarz seinen Gegner passiv zu stellen. In der Bodenlage setzte Schwarz zum Heber an, was Lukas mit geschickter Beinarbeit zu verhindern wusste, dem Kampfrichter aber entging. Im weiteren Verlauf verlor Schwarz seinen Faden und wurde nun wiederum selbst in die Bodenlage geschickt aufgrund von Passivität. Lukas konnte Schwarz zwar ausheben, der Bindlacher konnte jedoch einen Wurf verhindern und fing Lukas ab. Obwohl dieser in die gefährliche Lage fiel, und Schwarz in dort festmachen konnte, pfiff der Kampfrichter ab und vergab einen Punkt an den Burghausener, da Schwarz mit einem Fuß aus der Matte getreten sei. Dies zweifelte Bindlachs Trainergespann Matthias Fornoff und Helen Grüninger stark an. Schwarz ging nach dieser Fehlentscheidung wieder voll zur Sache und konnte den Kampf letztlich mit 2:1-Punkten hauchdünn für sich entscheiden. Der erste und wichtige Ehrenpunkt war auf Bindlacher Seite zumindest schon mal geschafft.

Im Leichtgewicht des klassischen Stils fand ASC-Ringer Erik Kamm in seinem Kampf gegen Andreas Maier einfach keine Mittel. Es gelang ihm zwar geschickt Maier auf Distanz zu halten, aber mit einer zu verhaltenen Ringweise und zu wenig Eigeninitiative konnte der Bindlacher nicht selbst punkten. Nach Ablauf der Kampfzeit stand es 3:0 und 2 Mannschaftspunkte gingen nach Burghausen.

In der zweiten Mittelgewichtsbegegnung des Kampfes traf ASC-Nachwuchsringer Nico Sendelbeck im freien Stil auf den Bulgaren Nikolay Kurtev. Sendelbeck zeigte einen tollen Kampf und setzte Kurtev immer wieder unter Druck, konnte gar selbst punkten. Sendelbeck zeigt aber noch zu wenig Konzentration um seinen Kampf permanent zu kontrollieren und in eine Richtung zu lenken. So schaffte es Kurtev immer wieder seine Fassart durchzusetzen und dann zu punkten. In den letzten Kampfsekunden machte Kurtev noch die letzten Punkte zur technischen Überlegenheit und sicherte den Oberbayern weitere vier Punkte.

In der 75 kg-Klasse im freien Stil zeigte ASC-Punktegarant Marcel Fornoff wieder all sein Können. Im Kampf gegen den Ungarn Csongor Knipli ließ der Bindlacher nichts anbrennen und konnte spouverän in Führung gehen. Mit einem fulminanten Beinangriff, in dem er Knipli hoch aushob und mit einer großen Amplitude auf beide Schultern warf, sorgte Fornoff für Stimmung in der Halle. Nach kurzer stand es 16:0 und Fornoff konnte mit dem Überlegenheitssieg vier Punkte auf das Konto des ASC verbuchen.

Im letzten Kampf des Tages hatten die Burghausener noch einen Spitzenringer im Petto: Matthias Maasch, der vor wenigen Wochen noch die Nationalfarben auf der Weltmeisterschaft in Tashkent vertreten hat, hatte mit dem jungen Bindlacher Philipp Adler nur wenig Probleme. Im Standkampf konnte Adler noch ganz gut mithalten, in der Bodenlage jedoch war Maasch deutlich überlegen und Punkt für Punkt zum Überlegenheitssieg sammeln.

Insgesamt ging der Kampf Bindlach gegen Burghausen somit mit 5:26-Mannschaftspunkten für die Oberbayern zu Ende.